Alle die Jahre ist ein sogenanntes „Regeljahr“. Das ist zwar kein offizieller Begriff, steht aber dafür, dass im Floorball in regelmäßigen Abständen das Regelwerk überarbeitet wird. Dieser Rhythmus trägt seit der Professionalisierung des Sports zu einer bemerkenswerte Regelkontinuität bei, während sich in vielen anderen Sportarten die Regeln über die Jahrzehnte willkürlich oder verwirrend gewandelt haben,
So sind die Grundprinzipien – Tempo, Fairplay, Sicherheitsvorschriften, klare Strafen – seit den 1980er-Jahren im Kern dieselben geblieben. Diese Beständigkeit macht Floorball für Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Zuschauer leicht erlernbar und international vergleichbar, was wiederum das Wachstum der Sportart in Europa, Asien und Amerika gefördert hat.
Mit dem Sommer 2026 steht nun ein Update des Regelwerks an. Aus diesem Anlass haben wir für Floorball-facts.de mit Mattias Linell darüber gesprochen, wie die Arbeit an einer neuen Fassung des Regelwerks ausschaut.
Linell ist ein schwedischer Floorball-Funktionär und Schiedsrichter-Experte, der im Auftrag der Swedish Floorball Federation (SFF) und des Weltverbandes IFF maßgeblich an der Entwicklung und Umsetzung des internationalen Floorball-Regelwerks beteiligt ist.

FF: Es ist Regeljahr! Von der Ankündigung des neuen Regelwerks über die offizielle internationale Fassung bis zu einer deutsche Übersetzung dauert es. Wie sieht der Prozess eigentlich aus?
Mattias Linell: Die IFF selbst stellt keine offiziellen Übersetzungen der RotG [Rules of the game; die Red.] in anderen Sprachen als Englisch zur Verfügung. Die Übersetzung in alle anderen Sprachen liegt immer in der Verantwortung der nationalen Verbände.
Der Text, der bereits Mitte Februar 2026 veröffentlicht wurde, entsprach weitgehend der endgültigen Fassung. Im Anschluss haben wir nach dem Eingang einiger späterer Rückmeldungen noch einige kleinere Aktualisierungen vorgenommen und diese den nationalen Verbänden mitgeteilt. Seitdem befanden wir uns in der Layoutphase, um die vollständig gestaltete Version bis Ende Mai 2026 fertigzustellen.
FF. Warum ist es eigentlich notwendig, die Regeln von alle Vier Jahre zu erneuern?
Mattias Linell: Es sind, ich würde mal sagen, rund Dreiviertel der Regeln noch genau so wie vor 30 oder 40 Jahren. Doch unser Sport entwickelt sich schnell noch immer weiter.
Dabei entstehen auf dem Parkett auch Trends, die sich negativ auf das Spiel selbst oder auf die Wahrnehmung unseres Sports durch Zuschauer und Medien auswirken. Eben diese schnelle Entwicklung ist es, weshalb die Regeln immer wieder aus Neue angepasst werden müssen, um mit dem Geschehen Schritt zu halten.
FF: Woher kommen die Ideen für neue oder geänderte Regeln?
Mattias Linell: Bei jedem Regelungsprozess werden die nationalen Verbände gebeten, Vorschläge einzureichen. In vielen Ländern dazu wird ein umfassenderer Prozess angewendet, bei dem Spieler, Trainer und andere Interessengruppen durch ihren nationalen Verband befragt werden. Aus der Beobachtung vieler Akteure kommen die besten Anregungen, die der Verband dann ausformuliert und als Vorschlag an die IFF sendet.
Darüber hinaus unterbreitet der IFF-Regelausschuss eigene Vorschläge auf der Grundlage laufender Diskussionen innerhalb des Ausschusses, in denen potenzielle Trends sowie seltene Situationen analysiert werden, die aus regeltechnischer Sicht Probleme verursachen.
Auch die IFF-Athletenkommission, das IFF-Schiedsrichterkomitee, das IFF-Büro und andere Arbeitsgruppen sind eingeladen, Änderungen vorzuschlagen. Zusammen mit den Netzwerken der beteiligten Personen weltweit werden in diesem Prozess viele verschiedene Perspektiven berücksichtigt.
FF: Wer prüft all die Wünsche nach Regeländerungen? Und wer trifft die Entscheidungen?
Mattias Linell: Für den Prozess wird eine Referenzgruppe mit Vertretern der Athletenkommission, Trainern und anderen Akteuren eingesetzt. Sie entscheiden, welche Vorschläge weiterverfolgt werden, welche in Spielen getestet werden müssen, welche weiterer Prüfung bedürfen und welche abgelehnt werden.
Die nationalen Verbände werden während des Prozesses regelmäßig um Feedback gebeten. Es wird lange an der Neuauflage gearbeitet und am Ende haben wir einen ausgearbeiteten Vorschlag, den wir dem IFF-Zentralvorstand vorlegen, der die endgültige Entscheidung trifft.
FF: Gibt es Länder, in dem versucht wird, die breitere Floorball-Gemeinschaft in diesen Prozess einzubeziehen?
Mattias Linell: Ja, in Schweden gibt zum Beispiel für jeden Aktiven im Floorball-Sport die Möglichkeit, über eine Umfrage Änderungen vorzuschlagen. Diese Vorschläge werden sorgsam ausgewertet. Schweden nutzt in diesem Prozess auch eine Referenzgruppe mit Spielern und Trainern. Und auch die Interessengruppe der Teams der schwedischen Superliga ist eingebunden.
FF: Was würdest du Spielern gern sagen, um die Arbeit der Schiedsrichter noch mehr schätzen? Oder sie sogar dazu zu bewegen, selbst einmal Schiedsrichter zu werden?
Mattias Linell: Das ist eine sehr weitreichende Frage. Ich denke, es liegt an den nationalen Verbänden, an den Vereinen und Trainern, um an der Einstellung der Spieler gegenüber den Schiedsrichtern zu arbeiten – und zu definieren, welche Werte sie im Floorball auf allen Ebenen anstreben.
Es gibt viel zu tun, um das Ansehen der Schiedsrichter in allen Sportarten zu stärken und Vorbilder zu schaffen, die Schiedsrichter sind. Ohne Schiedsrichter gäbe es kein Spiel, und es ist wichtig, dass junge Menschen die Schiedsrichterkarriere als Option und als Chance sehen, Fähigkeiten zu entwickeln, die man in vielen weiteren Bereichen des Lebens nutzen kann.
Als Schiedsrichter lernt man Fähigkeiten wie den Aufbau von Vertrauen in die eigene Führungsrolle, Konfliktmanagement, die Kontrolle der Körpersprache und die effiziente Kommunikation mit den unterschiedlichsten Menschen in verschiedenen Gemütszuständen. Das sind alles Fähigkeiten, die man täglich auch in der Schule und am Arbeitsplatz nutzen kann.
FF: Und wer ist deiner Meinung nach ein idealer Kandidat, um Schiedsrichter zu werden?
Mattias Linell: Zunächst einmal braucht es viel Mut, um Schiedsrichter zu sein. Denn es ist eine exponierte Position, in der man in jedem Spiel mit schwierigen Situationen konfrontiert wird. Zudem braucht man auch ein gutes Verständnis und Gespür für das Spiel, was nur mit Erfahrung kommt. Und natürlich hilft es sehr, wenn man selbst einmal Spieler war.
„Personalführung“ ist eine Schlüsselkompetenz, denn man muss viele Situationen lösen, für die es das Vertrauen der Menschen in sich und sein Urteilsvermögen braucht.
Und natürlich ist, spätestens in höheren Ligen, eine gute körperliche Verfassung Voraussetzung, denn das Schiedsrichteramt ist sowohl körperlich als auch geistig anspruchsvoll. Und körperlich fit zu sein hilft dabei, konzentriert zu bleiben


